Keiner kommt von einer Reise so zurück,
wie er weggefahren ist.

[Graham Greene (1904-1991]

Sonntag, 25. Oktober 2015

Tage des Ungewissen

Tunnel Beach
Am 31. Mai 2015 fuhren wir zum Tunnel Beach Walkway, welcher sich südwestlich von Dunedins Zentrum erstreckt.
Der Wanderweg (hin & zurück 45 Min.) führt über Ackerland, bevor er zu den Klippen am Tunnel Beach hinunterführt. Felsnadeln, Bögen und ungewöhnliche Felsformationen wurden vom wilden Pazifik geschaffen, Fossilien bedecken die Sandsteinklippen. Das beeindruckte den Gemeindepfarrer John Cargill so sehr, dass er von Hand einen Steintunnel bauen ließ, der seiner Familie Zugang zu abgelegenen Strandabschnitten verschaffte, wo sie picknicken konnte.
Über den Mt. Cargill fuhren wir zu den Moeraki Boulders, die etwa 30 km südlich von Oamaru liegen. Ein Haufen großer kugelförmiger Felsen an einem traumhaft schönen Strand, die verstreut daliegen wie Murmeln eines Riesenkindes. Besonders eindrucksvoll ist der Anblick bei Ebbe.
In der Nähe der Felsen gab es auch ein Café, in welchem wir uns eine/n Kaffee/Schoki gönnten.
Für $ 15 übernachten wir im St. Andrews Recreation Reserve.
Auf unserer weiteren Reise in Richtung Christchurch kamen wir in Timaru an.
Die Hafenstadt ist ein günstiger Zwischenstopp auf halben Weg von Dunedin nach Christchurch.
Wir erledigten einige Einkäufe und fanden spontan eine Unterkunft über Couchsurfing bei Andrew welcher in einem Farmhaus zwischen Geraldine und Ashburton lebt – wir fanden es eine super Basis für unsere Jobsuche und Andrew sagte zu uns für eine Woche bei sich auf zu nehmen.
Zum Kennenlernen aßen wir gemeinsam Abendessen und schauten zusammen den Film „5 Zimmer Küche Sarg“, eine neuseeländische Horrorkomödie.

Moeraki Boulders
Am nächsten Tag führte unser Weg uns in die Bibliothek von Rolleston, welches in den Canterbury Plains nahe dem SH1 liegt, ca. 22 km südwestlich von Christchurch, damit wir wieder unsere Flyer ausdrucken und in diversen Supermärkten verteilen konnten (hatte in Invercargill schließlich gut funktioniert).
Nach getaner Arbeit ging es wieder zurück zu Andrews Haus, welcher nach dem langen Tag auf der Farm immer sehr erfreut war, das Chris das Abendessen kochte.
Die kommenden Tage bestanden hauptsächlich daraus Flyer aufzuhängen, in Zeitungen und im Internet nach Jobs zu suchen, mit Andrew zu quatschen, sowie gemeinsames Abendessen, und Filme zu schauen.
Am 5. Juni 2015 war nun Chris sein 22. Geburtstag: Nach einem Geburtstags-Kuchen-Schmaus (es gab meine altbewährte Milchreistorte) zum Frühstück mit Andrew, ging es für uns beide nach Christchurch zu Velocity Karts.

Moeraki Boulders
Auf einer speziell dafür gebauten Strecke fuhren, oder vielmehr: segelten wir 30 Min., auf einem dreirädrigen Gefährt - auch Blowkart oder Landyacht genannt - um die Kurven und mit einander um die Wette. Die Geschwindigkeit wurde dabei durch den Wind bestimmt (und wie wir das Gefährt und das Segel dazu ausrichteten). Blowkart-Segeln war einfach zu lernen und bevor es auf die Rennstrecke ging, bekamen wir das Steuern, Bremsen und Beschleunigen gezeigt. Hat unglaublich viel Spaß gemacht.
Auf der Fahrt dahin ging in unserem Auto allerdings die Kühlflüssigkeit leer, und als wir nach dem Landsegeln tankten, bildete sich unter Olaf eine große Pfütze, also suchten wir eine Werkstatt auf. Die schlechte Nachricht des Tages war, dass wir eine neue Wasserpumpe brauchen. Also ging es an einem Freitagnachmittag gegen 14 Uhr von einer Werkstatt in die nächste, in der Hoffnung, dass noch eine die Möglichkeit hätte unseren Olaf zu reparieren. Und das obwohl wir für Chris Geburtstag was anderes geplant hatten – aber der war nun gelaufen. Im Endeffekt hatte keine Werkstatt mehr die Möglichkeit. Ein Glück haben wir immer einen 10-liter-Kanister Wasser im Auto und sagten uns, dass wird schon klappen, dass wir bis zu Andrews Haus kommen. Unterwegs haben wir bei einer Werkstatt in Ashburton angehalten und einen Termin für Dienstag ausmachen können.
Die nächsten 2 Tage stand also große Langeweile an, da wir mit unserem kaputten Auto nirgendwo hinfahren konnten.

Am 8. Juni 2015 fuhren wir mit Andrew in 2 Autos gegen 17:30 Uhr nach Ashburton und gaben Olaf in der Werkstatt ab, so dass die Mechaniker sich am nächsten Tag um diesen kümmern konnten. Nachdem wir noch bei Countdown einkaufen waren, ging es wieder zurück.
Nach einer weiteren Jobsuche am nächsten Tag, liehen wir uns Andrews Zweitwagen und holten unseren Olaf gegen 17:30 Uhr aus der Werkstatt ab – mit einer neuen Wasserpumpe, aber um $ 425 ärmer.
Mittlerweile waren wir schon länger als eine Woche bei Andrew, doch als wir ihn fragten, ob wir länger bleiben könnten während wir weiter auf Jobsuche sind, bejahte er dies nur, da er unsere Gesellschaft als sehr angenehm empfand.
Am 12. Juni 2015 hatten wir endlich ein Jobinterview und zwar im Brinkley Resort in Methven mit Paul, welcher einen Job für Chris hatte, und uns noch weitere Adressen für Unterkünfte in dem Ort gab, damit wir auch etwas für mich finden. Am Tag zuvor hatte ich einfach diverse Unterkünfte in der nähe von Skigebieten angeschrieben, und Paul hatte geantwortet. Chris bekam auch direkt die Einladung am nächsten Tag schon zu Probe zu arbeiten, welches aber bezahlt werden würde.
Methven ist im Winter am lebendigsten, denn dann treffen sich dort Wintersportfreunde und machen den nahen Mt. Hutt unsicher.

Blowkart-Segeln
Danach fuhren wir weiter bis nach Christchurch, holten Post im dortigen YHA ab, welche wir dort hatten hinschicken lassen, als wir noch keine feste Bleibe hatten. Wir registrierten uns bei Advanced Personnel, einer Arbeitsagentur, von welcher wir bis zum heutigen Tage keine Jobangebote erhalten haben.
Nachdem wir Lebensmittel im Pak'nSave gekauft hatten, hielten wir auf unserem Rückweg bei Cookie Time in Templeton an, wo es super leckere Kekse für 9 $/kg gibt.
Während Chris dann also am Samstag gegen 16:30 Uhr losfuhr nach Methven, gab es für mich und Andrew Pizza und wir schauten gemeinsam TV.
So ging es auch noch ein paar Tage weiter - Chris hatte also wieder Arbeit gefunden. Und auch am 17. Juni 2015 stand für mich ein bezahltes Probearbeiten an: als Zimmermädchen bei Ski Time. Und anscheinend habe ich mich nicht zu blöd angestellt, und habe die Stelle erhalten.
Endlich hatten wir beide einen Job, zwar nicht im gleichen Unternehmen, aber im gleichen Ort. Nächste Mission war nun eine Unterkunft für uns zu finden.

Blowkart-Segeln
Allerdings mussten wir erst einmal den Wintereinbruch am 18. Juni 2015 überleben: Während ich also von 10 bis 14 Uhr arbeiten war, gab es einen starken Schneeeinbruch zur Mittagszeit, der es für mich am Nachmittag schon veranlasste, nur noch 80 km/h auf der Landstraße zu fahren, und dazu führte, dass Chris sich während seiner Fahrt zur Arbeit bereits 3x mit Olaf drehte. Und während ich am Abend mit Anni skypte, schrieb Chris mir, dass unser Auto total eingeschneit war – während bei mir nicht mal der Schnee liegen blieb – zwischen Andrews Farmhaus und Methven liegen 45 Min. mit dem Auto.
Also fragte ich Andrew, welcher in Christchurch war, ob ich mir seinen Zweitwagen leihen könnte, um gegen 22:30 Uhr Chris abzuholen.
Zur Sicherheit nahm ich den Umweg über Ashburton, da ich erwartete, dass Highways wohl eher geschoben werden würden als Landstraßen (dem war allerdings nicht so). Bis Ashburton war auch nichts außer Regen, da lag noch nicht einmal Schnee, aber als ich dann die Straße Richtung Methven nahm, konnte ich nur noch 60 km/h fahren und habe mich auch 1x gedreht. Für die Strecke von einer eigentlich halben Stunde, habe ich gefühlt eine Ewigkeit gebraucht. Und der Schnee wurde immer höher und das Auto machte immer mehr komische Geräusche. Kurz vor Methven stand auch ein Polizeiwagen und ich dachte, dass ich jetzt noch eine Strafe wegen irgendetwas bekommen würde (wie z. Bsp. Fahren ohne Schneeketten), aber er ließ mich passieren. In Methven selbst lag der Schnee so hoch, dass ich nachdem ich noch erstaunlicherweise auf der Kreuzung wenden konnte kurz danach stecken blieb. Glücklicherweise waren um Mitternacht noch Menschen mit ihren großen 4WD unterwegs und konnten uns rausziehen. Und ab dann ging es mit 30 km/h, also im Schneckentempo weiter. In Ashburton angekommen, überließ ich Chris dann die weitere Fahrt bis zu Andrews Haus, da meine Konzentration doch stark nachgelassen hatte. Gegen 1:30 Uhr waren wir endlich zurück.
Von Deutschland her, kenne ich es auch so, dass so bald der erste Schnee liegt Räumfahrzeuge ausrücken, aber das geschah noch nicht mal wirklich am nächsten Tag.
 
Weshalb Chris am Freitag auch nicht arbeiten gehen konnte, da unser Auto eingeschneit in Methven rumstand, und die Straßen nicht geräumt waren. Dafür haben wir endlich einen Schneemann bauen können, was uns im deutschen Winter ja nicht mehr gelungen war, wegen mangelndem Schnee.
Aber es gab auch positive Nachrichten: Wir hatten über Facebook (Gruppe: Methven Noticebord) ein Zimmer bei Shirley (57 J.) angeboten bekommen. Sie hat ein riesiges 5-Schlafzimmer-Haus genau in der Mitte vom Ort, neben der Feuerwehr, mit einem unglaublich großzügigen Wohn-Ess-Koch-Bereich. Und kostete $ 200 für uns beide pro Woche mit Internet, Strom, Feuerholz etc. inklusive - wie sich im Nachhinein herausstellte, mit die günstigste Bleibe in Methven.
Also packten wir am 20. Juni 2015 unsere Sachen, denn wir zogen bei Shirley ein, dies bedeutete aber auch, dass es Zeit war sich von Andrew zu verabschieden. Dieser war sogar noch so freundlich uns nach Methven zu fahren, da unser Auto nach wie vor beim Brinkley Resort rumstand.
Nachdem wir uns ein wenig bei Shirley eingerichtet hatten, wollten wir uns Auto abholen – nun war die Batterie tot. Allerdings bot Paul (Chris Chef) an, dass er ihn mit einer mobilen Starthilfe wieder zum laufen bringen könnte, allerdings war dieses gerade nicht zur Hand.
Gegen 17 Uhr habe ich Chris dann zur Arbeit begleitet und Olaf lief einwandfrei – also ging es direkt nach Ashburton Lebensmittel einkaufen.
Ashburton hat ungefähr 16.100 Einwohner und liegt auf halber Strecke zwischen Christchurch und Timaru.
Den restlichen Abend verbrachte ich mit Shirley beim gegenseitigen Kennenlernen mit Drinks – nach Feierabend gesellte sich auch Chris dazu.

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