Keiner kommt von einer Reise so zurück,
wie er weggefahren ist.

[Graham Greene (1904-1991]

Freitag, 23. Oktober 2015

Invercargill

Aussichtspunkt in Bluff
Am 14. April 2015 gingen wir also in die Bibliothek von Invercargill, da es dort, wie in jeder anderen, kostenfreies W-Lan gab – wir verschickten 2 Stunden lang Bewerbungen, Chris überließ mir die Aufgabe, während er in der Stadt buntes Papier kaufte und mir mein Smartphone, dass er ja kaputt gemacht hatte, durch ein neues Samsung S5 ersetzte. Wir druckten auch noch Flyer aus, welche wir anschließend in den Supermärkten der Stadt verteilten.
Stirling-Point-Schilderpfahl

Nach einem kurzen Abstecher zurück zum Beach Road Motor Camp, gingen wir um 17 Uhr uns im Kino den Film „Die Bestimmung – Insurgent“ anschauen.

Am nächsten Morgen beluden wir Olaf und als wir das Motor Camp verlassen wollten, hat Chris unseren guten Olaf erst einmal in einer Kuhle festgefahren – ein älterer Mann verlangte doch tatsächlich $ 20 für seine Hilfe, auf welche wir dann getrost verzichtet haben – wie unfreundlich. Mit ein bisschen Schwung haben wir unser Auto dann doch noch frei bekommen.
Auf dem Plan für heute Stand ein weiterer Besuch der Bibliothek, um weitere Bewerbungen zu versenden.
Riverton

Über Couchsurfing hatten wir uns spontan ein Dach über dem Kopf für die kommenden Nächte gesichert und zwar bei Dawn & Elijah, sowie deren 2 Kinder und diversen Haustieren, darunter Hund Bailey, mit welchem wir später auch noch Gassi gingen. Es ist zwar schon schön, dass wir bei ihnen unterkommen durften, allerdings heizten sie nicht, wo durch wir permanent froren, und sie zeigten auch nicht wirklich Interesse an uns, so wie ich es von anderen Couchsurfing-Erfahrungen her gewohnt war, aber nun gut.
Am Abend gab es noch einen Anruf von Raewyn, einer Dame aus Riverton, welche uns auf einen Kaffee zu McDonalds einlud und ein Jobangebot für uns hatte – wir vereinbarten sie am nächsten Tag nach dem Mittagessen zu besuchen. Sie hatte unseren Flyer in einem der Supermärkte gefunden.
Waipapa Point
Beim Mittagssnack und Tee erklärte uns Raewyn, dass sie in ihrem Haus gerne Menschen, aller Altersklassen, mit besonderen Bedürfnissen zeitweise, z. Bsp. über ein Wochenende, aufnehmen möchte, damit die Angehörigen mal eine kleine Auszeit von der Betreuung bekommen. Chris Aufgabe sollte natürlich das Kochen sein und ich wäre für die Organisation und Planung zuständig, so wie wir beiden uns auch mit den Individuen beschäftigen sollten.

Klang alles super cool und unglaublich spannend, und wir dachten uns, wäre optimal auch Erfahrung in einem anderen Bereich als nur Gastronomie zu bekommen.
Waipapa Point

Wie sich allerdings später herausstellte, war das, hauptsächlich für mich, und unsere Neuseelandzeit reinste Zeitvergeudung. Aber dazu später mehr.
Nach unserem netten Plausch und näheres Kennenlernen, nahm uns Raewyn noch mit auf eine kleine Rundfahrt durch Riverton, diese beschauliche, kleine Hafenstadt liegt gerade einmal 38 km von Invercargill entfernt.
Wir einigten uns also darauf am nächsten Tag bei Raewyn einzuziehen.
Cardrona

Entspannt und froh darüber endlich eine Geldeinnahmequelle gefunden zu haben, fuhren wir zum Sightseeing nach Bluff, welches als Invercargills Hafen 27 km südlich der Stadt liegt. Hauptgründe für einen Besuch dieses Ortes sind: die Fähren nach Stewart Island, Fürs-Foto-Posieren neben dem Stirling-Point-Schilderpfahl () und die weit über die Grenzen des Ortes berühmten Bluff-Austern.
Nachdem wir den Ausblick vom Aussichtspunkt über den Ort genossen, wollten wir in einem Café beim Stirling-Point-Schilderpfahl ca. 16 Uhr einen Kaffee trinken, allerdings meinte die Kellnerin, dass bereits geschlossen sei, und das obwohl die Tür offen war und noch Gäste dort saßen und etwas tranken. Also fuhren wir halt nach Invercargill zum Starbucks, der weltweit am südlichsten gelegene. Wie sich herausstellte, wurde ein Besuch in diesem, unsere häufigste Aktivität in Invercargill.


Cardrona

Gerade als wir wieder in unser Auto einsteigen wollten, erhielten wir einen Anruf von Mark, dem das Sass Café in Invercargill gehört. Wir gingen also direkt zu ihm und er bot Chris Arbeit an 2 Tagen in der Woche als Koch an, was natürlich super passte - er sagte direkt zu. War zwar etwas blöd, dass er dann immer soweit von Riverton aus fahren musste, aber wie sich später herausstellte die beste Entscheidung überhaupt.
Danach ging es dann zurück zum Haus von Dawn & Elijah.
Cardrona
Cardrona
Am Freitag verließen wir die beiden und zogen zu Raweyn nach Riverton. Endlich eine Bleibe für den Winter, dachten wir uns. Wir leerten Olaf aus und organisierten uns ein wenig in dem 5-Schlafzimmer-Haus. Allerdings war das Haus spärlich mit Möbeln bestückt, denn das Projekt von Raewyn war noch in der Entstehung, was auch bedeutete, dass nicht wirklich Kapital vorhanden war und ewig keine Menschen mit Behinderungen kamen, und wir somit auch nicht einen Cent verdienten. Raewyn vertröstete uns aber immer damit, dass innerhalb der nächsten 2 Wochen schon welche kommen könnten, und so verging Woche um Woche ohne das ich Geld verdiente. Chris hatte das Glück, dass aus seiner Teilzeitstelle bei Mark im Café mittlerweile eine Vollzeitstelle (6:45 bis 14/15 Uhr 5 Tage/Woche) wurde und er pro Stunde $ 17,50 verdiente, so dass er pro Woche mindestens $ 600 verdiente, wobei leider ein Großteil für Sprit drauf ging. 
Below Zero Ice Bar

Etwas Positives allerdings war, dass wir für Unterkunft und Essen bei Raewyn nichts zahlen mussten, auch wenn wir die Lebensmittel erst einmal vorstreckte -, nach einigem Drängen gab uns Raewyn aber das Geld stets zurück.
Am Anfang war auch eigentlich alles gut, wir verstanden uns gut mit Raewyn, hatten kostenfreies W-Lan, aßen gemeinsam Abendessen, ich hatte Zeit meinen Blog zu schreiben und nebenbei machte ich das Haus und den Garten hübsch für eventuelle Klienten, und half beim Einrichten einer Facebookseite.
Below Zero Ice Bar

Und so pläpperten sich die Tage dahin, für mich waren sie furchtbar langweilig: ausschlafen bis 11 Uhr, bisschen Küche aufräumen, Blog schreiben, warten auf Chris, Handy spielen, Abendessen, Filme schauen und das eigentlich jeden Tag in der ganzen Zeit, die wir dort verschwendet haben. An machen Tagen habe ich auch etwas im Haushalt getan, wie z. Bsp. die ganze Bettwäsche waschen, im Garten Laub harken oder die Garage ausmisten, da ich dachte, wir werden dafür bezahlt...
Am 24. April 2015 entschieden wir uns, dass ich auch das Haus mal verlassen sollten und wir unternahmen einen Spaziergang am Howells Point, woraufhin wir entschieden am nächsten Tag einen Ausflug in die Caitlins zu unternehmen, eine Region aus fruchtbarem Ackerland, einheimischen Wäldern und ursprünglichen Buchten.
Lake Gunn
 

Chris hatte nämlich am nächsten Tag aufgrund des ANZAC Days (ANZAC: Akronym für Australian and New Zealand Army Corps) frei. Der 25. April 1915 ist der Jahrestag der ersten Militäraktion von australischen und neuseeländischen Truppen sowie Soldaten aus Tonga im Ersten Weltkrieg – der Landung auf Gallipoli. Die Schlacht von Gallipoli führte zu erheblichen Verlusten unter den australischen, neuseeländischen und tongaischen Soldaten, die in einer Streitmacht geführt wurden.
Milford Sound

Nach einem teuren Frühstück in einem Café (aufgrund des Feiertags wurden zusätzlich 15 % berechnet), war unser erstes Ziel der Leuchtturm am Waipapa Point von 1884.
Weiter fuhren wir zum Slope Point, dem südlichsten Punkt der Südinsel. Es ging 20 min zu Fuß über Felder zu einem stämmigen Leuchtturm und einem hässlichen Wegweiser auf einem windgepeitschtem Felsvorsprung mit Blick über die gesamte Küste.
Daraufhin ging es mal wieder zum Starbucks in Invercargill und danach zurück nach Riverton.
 

Milford Sound

Am 1. Mai 2015 habe ich für wenige Stunden im „Sass Café“ ausgeholfen und auch einmal ein paar $ verdient. Welche allerdings für das anschließende Wochenende draufgingen, welches Chris organisiert hatte.
Milford Sound

Am nächsten Morgen hieß es früh um 7 Uhr aufstehen und auf ging es, vorbei an Queenstown, nach Cardrona über die Crown Range Road, einer schmalen, kurvenreichen Bergstraße. Mit ihrem Ausblick auf grüne Täler, Gebirgsläufer und endlose, schneebedeckte Gipfel ist sie eine der malerischsten Autostrecken der Südinsel. Am Straßenrand lagen viele Rastplätze, von denen aus wir die Aussicht genießen konnten, vor allem am Queenstowner Ende der Straße, wenn es im Zickzack hinunter nach Arrowtown ging.
Bei „The Cardrona“, wo auch der BH-Zaun ist, hatte Chris für uns um 13 Uhr eine 2-stündige Quadtour gebucht, welche sich als eine spontane Privattour herausstellte, da wir die einzigen waren, die für diesen Tag gebucht hatten. Das Wetter spielte super mit, wir hatten strahlenden Sonnenschein und Kelly, unsere Tourleiterin, fuhr mit uns auf die umliegenden Berge mit einer unglaublichen Aussicht. Es wurden auch genügend Stopps für Fotos gemacht. Allerdings hätten wir uns gefreut ein wenig schneller fahren zu dürfen, als es Berg runter ging. :) Da Kelly stets vor uns fuhr, gab sie das Tempo vor.
Danach ging es nach Queenstown, wo wir uns im Starbucks einen Kaffee/Heiße Schoki schnappten und durch die Stadt schlenderten.
Milford Sound

Als nächsten Programmpunkt hatte Chris für 17 Uhr einen Besuch in der Below Zero Ice Bar vorgesehen, für welchen er über bookme.com Rabatt erhalten hatte, ebenso wie bei der Quadtour. Die Bar ist komplett aus Eis, ebenso die Gläser und ein Cocktail war im Eintritt inklusive. Der Raum ist mit Eisfiguren verziert, aber die Cocktails sind relativ teuer, von daher war das dann doch eher ein kurzer Spaß von einer halben Stunde.
Danach ging es zum Abendessen ins Winnies, einer Mischung aus Bar und Restaurant, wo immer viel los ist. Wir haben trotzdem einen Tisch bekommen und uns super leckere Pizzen gegönnt.
Da wir am nächsten Tag morgens im Milford Sound sein mussten, hieß es jetzt noch 2 1/2 Stunden bis nach Te Anau zu fahren, wobei uns der Sprit echt leer ging, und wir glücklicherweise noch eine geöffnete Tankstelle in Te Anau fanden, um 21 Uhr!!! Alle anderen unterwegs waren bereits geschlossen, womit wir um diese Uhrzeit niemals gerechnet hätten – nach 22 Uhr okay, aber doch nicht vor 20 Uhr. Zwischenzeitlich dachten wir schon wir müssen auf einer Tankstelle im Auto übernachten.
Die beschauliche Ortschaft Te Anau am See ist ein guter Standort für all jene, die den Milford Sound besuchen möchten.
Nach weiteren 20 min Autofahrt erreichten wir die Henry Creek Campsite, welche $ 12 die Nacht kostete.
Am nächsten Morgen ca. 8:15 Uhr fuhren wir die SH 94 weiter nach Milford. Die Fahrt dauert ohne Pausen 2 bis 2 ½ Stunden, doch sollte man sich unterwegs Zeit zum Anhalten nehmen, um die herrliche Landschaft auf sich wirken zu lassen. Der erste Teil der Straße windet sich durch das Weideland oben auf der Seitenmoräne des Gletschers, der einst den Lake Ta Anau ausgefräst hat. Die Straße verläuft weiter zum Eingang des Fjordland National Park, an Wäldern von Rot-, Silber- und Bergsüdbuchen, angeschwemmten Ebenen und Wiesen entlang.
Gleich hinter dem Campingplatz McKay Creek hatten wir einen tollen Blick über das Eglinton Valley mit steilen Bergen zu beiden Seiten sowie Pyramid Peak und dem Ngatimamoe Peak geradeaus.
Riverton

Ungefähr 10 km vor Milford ist der Chasm Walk (20 min hin & zurück) – der bewaldete Cleddau River stürzt durch verwitterte Felsblöcke in einen schmalen Spalt, was zur Bildung von noch steileren Wasserfällen und einer natürlichen Steinbrücke führt.
Der erste Blick auf den Milford Sound ist einfach atemberaubend: Felsklippen ragen aus dem ruhigen, dunklen Wasser, an die Abhänge klammern sich Bäume. Sie wirken wie eine Art Baumlawine, die jeden Moment ins Meer zu stürzen droht. Der sagenhafte und fotogene Mitre Peak dominiert die Szenerie.
Queenstown
Mit Juicy Cruise machten wir um 11:45 Uhr einen 1 ½-stündigen Bootsausflug über den Milford Sound.
Auf dem Rückweg nach Riverton hielten wir für einen Snack im Sandfly Café in Te Anau und kamen gegen 18:30 Uhr an.
Nächster Höhepunkt der recht öden Zeit in Riverton sollte eigentlich mein Geburtstag sein: Wir schreiben also den 9. Mai 2015 und es regnete, was Chris Pläne mir einen tollen Tag zubereiten völlig zu nichte machte, allerdings wurde ich mit 2 Geburtstagskuchen im Bett überrascht.
Skyline Gondola Queenstown
Spontan wollten wir dann Kart fahren in Invercargill, allerdings sprachen uns die Bahn und der Preis dafür nicht an, so dass wir entschieden, nach einem Snack im Sass Café um 15:45 Uhr „Pitch Perfect 2“ im Kino zu schauen.
Gegen 18:30 Uhr waren wir zurück in Riverton, wo uns Raewyn mit einem gedeckten und dekorierten Tisch, inklusive Seifenblasenmaschine überraschte.
Gegen 19 Uhr nahm ich aber erst einmal die Glückwünsche meiner Familie via Skype entgegen. Und danach gab es Geburtstagsessen mit den Nachbarn Lawton & Freida.

ONSEN Hot Pools
Der Tag danach sollten nun eher meinem Geburtstag entsprechen, denn es ging morgens um 9 Uhr eines sonnigen Tages los zur Skyline Gondola, welche einen großartigen Blick auf Queenstown, den See und die Berge ermöglicht. Highlight abgesehen von der Gondelfahrt ist natürlich die Sommerrodelbahn dort oben.
Danach gönnten wir uns mal wieder einen Kaffee/Heiße Schoki im Starbucks und schlenderten durch die Souvenirläden, bevor es um 15 Uhr zu Onsen Hot Pools bei Arthur's Point ging, wo Chris uns einen Whirlpool nur für uns 2 für eine Stunde gebucht hatte mit Sekt und Eiscrème. Während wir also im Pool entspannten, genossen wir eine unglaublich schöne Aussicht über Fluss und Berge.
Danach hieß es allerdings auch schon wieder zurück nach Riverton fahren, da Chris am nächsten Tag wieder arbeiten musste.

Aufgrund des halbjährlichen WoF (sowie der deutsche TÜV) ging Olaf am 15. Mai 2015 in die Werkstatt, während Chris im Café arbeitete, allerdings haben wir die Verlängerung unseren WoF nicht bekommen, da Ersatzteile bestellt werden mussten, aber wir dürften für den WoF und Ölwechsel schon einmal $ 215 zahlen.

Am 26. Mai 2015 erklärten wir Raewyn, während eines Kaffees im Sass Café nach Chris Feierabend, dass wir gehen werden, da wir nicht einen Cent bei ihr verdienten, und das obwohl wir schon so viel für sie gemacht hatten, u. a. ein Wochenende lang auf einen kleinen Jungen, namens Kane, der eine Aufmerksamkeitsspanne von 3 Minuten hatte, aufgepasst haben. Wir erklärten ihr, dass wir sie am Ende der Woche verlassen werden, so dass Chris noch seine Arbeitswoche im Café beenden kann. Daraufhin sagte sie, dass wir sie direkt verlassen müssen und sie uns keine weitere Nacht mehr bei ihr haben möchte. Wohin nun? Wo wir unterkommen, war ihr offenbar sehr egal. Also fuhren wir nach Riverton, um unsere Sachen zu packen, während sie, dämlich wie sie war, in Invercargill geblieben ist. Wir haben also alles Brauchbare mitgenommen, u. a. eine sehr bequeme Matratze, den Kühlschrank & Vorratsschrank leer gemacht; Chris hat noch Muffins gebacken und die Küche wie im Saustall hinterlassen, darin ist er Profi.
Glücklicherweise konnten wir bei Chris Chef Mark für die restlichen Tage unterkommen.
Am Abend haben wir dann seine Frau Denise, seine Tochter Teagan (21 J.), sowie deren 2 Töchter Payton (4 J.) & Kinley (5 Tage) kennengelernt.
Am 27. Mai 2015 hatten wir einen weiteren Werkstatttermin, wo dann endlich die nötigen Ersatzteile eingebaut wurden, wir unseren WoF bis November bekamen und noch einmal $ 460 zahlten.
Am 30. Mai 2015 endete unsere Zeit in Invercargill: Zu erst verabschiedeten wir uns von Teagan & Payton bei ihnen zu Hause und später von Denise & Mark im Café und fuhren Richtung Dunedin. Eine kostenfreie Übernachtung fanden wir im Warrington Reserve, wo wir gegen 18:15 Uhr ankamen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen