Keiner kommt von einer Reise so zurück,
wie er weggefahren ist.

[Graham Greene (1904-1991]

Mittwoch, 6. Mai 2015

Marlborough & Nelson

Marlborough Sound
Nach einer Dusche und dem Frühstück am 27. März 2015 verfütterten wir noch das am Abend zuvor erhaltene Futter an die bereits äußerst fetten Schafe, die erstaunlicherweise noch recht flink unterwegs waren.
Über Havelock, welches eine Ortschaft mit weniger als 1000 Einwohnern ist, im Norden der Südinsel in der Region Marlborough am Ende des Pelorus Sound liegt und sich zum Zentrum der neuseeländischen Muschelzucht entwickelt hat, fuhren wir zu den Weingütern von Marlborough.
Es ist die größte Weinbauregion Neuseelands; ¾ der gesamten Ernte des Landes stammen von dort. Die letzte Zählung ergab eine Rebfläche von 23.900 ha. Sonnenreiche Tage und kühle Nächte erzeugen ein ideales Mikroklima, in dem Rebsorten gedeihen, die für ein kühleres Klima geeignet sind. Aus ihnen werden der weltberühmte Sauvignon Blanc, der erstklassige Pinot Noir sowie Chardonnay, Riesling, Gewürztraminer, Pinot Gris und qualitativ hochwertige Schaumweine erzeugt. Die Mehrzahl der rund 140 Weingüter, wobei rund 40 für Besucher geöffnet werden, liegt im Wairau Valley, hauptsächlich rund um Blenheim und Renwick.

Wither Hills
Unser erstes Halt galt dem Bladen Estate, ein netter kleiner Familienbetrieb mit viel Charme und einem ausgesprochen sympathischen und unterhaltungsfreudigen Weinkenner. Nach der Verkostung von 6 Weinen entschieden wir uns den Riesling mitzunehmen. Auch bei der Verkostung bei Framingham Wines, welche sich auf Rieslingweine außergewöhnlicher Qualität spezialisiert haben, hatten wir eine Menge Spaß und nahmen wieder einen Riesling, den 2013er Framingham Classic Riesling, mit.
Das klimaneutral arbeitende Familienanwesen Wairau River zählt zu den ältesten Güter von Marlborough. Wie schon in den Weingütern davor haben wir auch hier 6 Weine verkostet.
Bei Huia, welchen Weinbau in kleinem, nachhaltigem Stil betreibt, konnte uns so gar keiner der 5 Weine überzeugen.

Abel Tasman National Park
Das architektonische Schmuckstück Wither Hills, ein Flagschiff unter den Weingütern der Region, war richtig gut besucht und es war uns nach der Verkostung gestattet die Aussicht vom Dach aus zu genießen. Im Brancott Estate, eine hypermoderne Kellerei mit Restaurantkomplex und Shuttle Service hoch über den alten Anbauflächen des Sauvignon Blanc, wurden wir förmlich abgefüllt – leider haben wir die Weinliste liegen gelassen, so dass ich nicht mehr weiß, wie viele Weine wir verkostet hatten, jedenfalls hatten wir 4 Flaschen gekauft und es war wirklich großartig dort.
Eindrucksvolle Weitblicke über das Wairau Valley öffnen sich von der Turmspitze des rosaroten Weingutes Highfield Estate in toskanischem Stil – allerdings sollte die Verkostung, wie schon so einige Male, 5 $/Person kosten, also entschieden wir uns lediglich den Riesling zu kosten und nahmen auch direkt 2 Flaschen mit.

Golden Bay
Da Mahi Wines und Auntsfield Estate geschlossen waren und bei Cloudy Bay eine deftige Gebühr verlangt wurde, hielten wir gegen 16:30 Uhr bei Gibson Bridge. Da hatten wir mal wieder das Glück kurz vorm Schließen aufzutauchen und dürften 6 Pinot Gris kostenfrei verkosten. Darunter 2 Dessertweine zu Preisen von $ 45 und $ 65. Danach ging es zur Onamalutu Campsite, die eigentlich 12 $/Nacht kostet, aber wir haben einfach nicht gezahlt, da es eine Kasse des Vertrauens war.
Während Chris sich dann nach dem Abendessen seine Haare mit der Haarschneidemaschine gestutzt hatte, las ich.

Am nächsten Tag standen wir gegen 8 Uhr auf, fuhren dann nach Blenheim zum Pak'nSave und frühstückten dann inmitten von Weinfeldern.
Nach einem Abstecher zum Seresin Estate, wo die Weine und Olivenöle ökologisch und biodynamisch erzeugt werden, fuhren wir 100 km weit bis nach Nelson.

Paynes Ford Scenic Reserve
Angeblich ist Nelson der geographische Mittelpunkt von Neuseeland. Praktischerweise soll dieser Punkt auf einem Hügel im Zentrum der Stadt liegen. Dieser Mittelpunkt war allerdings nur der Mittelpunkt, um frühe Landvermessungen durchzuführen. Der wahre geographische Mittelpunkt liegt tatsächlich in dichtem Gestrüpp eines Waldes auf der Spooner Range in der Nähe von Tapawera, 35 km südwestlich von Nelson. Um die Region Nelson herum befinden sich die 3 meistbesuchten Nationalparks Neuseelands: Abel-Tasman-Nationalpark, Kahurangi-Nationalpark und der Nelson-Lakes-Nationalpark, was vielleicht daran liegt, dass in dieser Provinz die jährliche Sonnenscheindauer mit durchschnittlich 2.400 Stunden die längste im gesamten Land ist. Die Region Nelson grenzt im Osten an die Region Marlborough, im Südwesten an Tasman und im Westen an die Tasman Bay. Nach einem Spaziergang durch die Innenstadt nutzten wir im Auto sitzend das kostenfreie W-Lan der Elma Turner Library.

Te Waikoropupu Springs
Wir folgten dem stark befahrenen Küsten-Highway, der rund um das Waimea Inlet und an der Rugby Coast entlang verläuft und die schnellste Verbindung von Nelson nach Motueka ist. Nur 10 km von Richmond entfernt liegt das Weingut Waimea, welches aber leider geschlossen war, also versuchten wir unser Glück beim Weingut Seifried, welches an der Abzweigung zur Rabbit Island liegt. Diese verlangen allerdings eine Gebühr für die Verkostung, also fuhren wir weiter zur erholsamen Rabbit Island, mit Ausblicken auf das Mündungsgebiet. Es gibt Sandstrände, an einem davon spazierten wir, und ausgedehnte stille Kiefernwälder. Die Inselbrücke wird bei Sonnenuntergang geschlossen – über Nacht ist ein Aufenthalt nicht erlaubt.
Nach unserer Ankunft auf der McKee Domain, welche für 12 $/Nacht einfach großartig war, spielten wir Karten und gegen 18 Uhr gab es Abendessen. Danach schauten wir „Kindsköpfe 2“.

Farewell Spit
Aufgrund von Sonnenschein entschieden wir einen Waschtag einzulegen und fuhren zum nur 5 min entfernten Tasman Motor Camp, wo wir 30 $/Nacht zahlten. Während Chris nach dem Frühstück mal wieder sein Bedürfnis Olaf aufzuräumen nachging, kümmerte ich mich um die Wäsche, allerdings hat es den Tag über immer mal wieder getröpfelt, so dass wir unser Kartenspiel mehrmals zwischendurch unterbrechen mussten, um die Wäsche ins Trockene zu holen und wieder aufzuhängen. Am Nachmittag schauten wir dann den Film „Ich darf nicht schlafen“, bevor wir wieder Karten spielten.
Nach dem Abendessen machten wir einen kurzen Spaziergang und schauten dann „World War Z“.
 Der Montag begann mit einem kalten Bad im Pool und einer darauffolgenden warmen Dusche. Während die Wäsche noch ein wenig trocknen musste, aßen wir Frühstück, nutzten 100 MB gratis zur Verfügung gestelltes Internet und spielten Billard.
Später fuhren wir dann nach Motueka – in der geschäftigen, kleinen Stadt fanden wir Gelegenheit unsere Vorräte aufzufüllen.

McKee Domain
Hinter Motueka windete sich der Highway in schwindelerregenden Kurven, wenn Chris fährt, wird mir eh schon meistens übel, den Takaka Hill hinauf, vorbei an Aussichtspunkten, die einen spektakulären Ausblick über die Tasman Bay und den Abel Tasman National Park gewährten. Der Takaka Hill (791 m) trennt die Tasman Bay von der Golden Bay. Kurz vor dem Berg biegt eine Abzweigung zum Canaan Downs Scenic Reserve ab, das am Ende einer 11 km langen Schotterstraße liegt. Das Gebiet erlangte Berühmtheit als Filmkulisse in der Trilogie „Der Herr der Ringe“ und im Film „Hobbit“, doch das hervorstechendste Merkmal dieser Landschaft ist das Harwood's Hole. Es ist eines der größten Dolinen des Landes: Die Höhle ist insgesamt 357 m tief und 70 m breit. An der Oberkante beginnt ein 176 m tiefer, senkrecht abfallender Höhlenschacht. Vom Parkplatz waren es 30 min zu Fuß dorthin. Für 20 $/Nacht übernachteten wir im Payne Ford's Hangdog Camp. Dort spielten wir erst einmal Karten bevor es Abendessen gab. Danach machten wir einen Spaziergang zum und im, in der Nähe befindlichen, Paynes Ford Scenic Reserve. Zurück im Camp schauten wir dann „The Watch“.


Am 31. März 2015 fuhren wir zu den Te Waikoropupu Springs, welche die größten Süßwasserquellen Australiens und Ozeaniens sind und als die klarsten der Welt gelten. 14.000 l Wasser sprudeln pro Sekunde aus unterirdischen Kanälen auf, die verteilt im Schutzgebiet liegen und bei einem 30-minütigen Rundgang bestaunt werden können. Das Wasser wirkt verlockend, doch Schwimmen oder selbst die Berührung des Wassers ist streng verboten.
Danach fuhren wir den weiten Weg bis zum Farewell Spit, wo wir auf dem Parkplatz erst einmal etwas aßen – nennen wir es Frühstück.
Das science-fiction-artige, offene, außergewöhnliche Farewell Spit ist ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung und ein bekanntes Vogelschutzrevier: Im Sommer tummeln sich hier Tausende Watvögel. Den 35 km langen Strand säumen gigantische, halbmondförmige Dünen, von denen aus man einen weiten Blick über die Golden Bay und die gewaltige, bei Ebbe freiliegende Salzmarsch hat. Die ersten 4 km des Spit konnten wir auf verschiedenen Wegen erkunden, wie auch immer sind wir aus Versehen den 12 km Rundweg gegangen und fühlten uns dabei wie auf Juist.
Bei Olaf angelangt, stärkten wir uns erst einmal von dem langen nicht enden wollenden Marsch und lernten dabei die beiden Deutschen Chris und Micha kennen.
Buller Gorge Swingbridge
Gegen 15 Uhr sind wir dann wieder zur McKee Domain aufgebrochen, da es uns dort gut gefallen hatte. Nach einem Zwischenstopp in The Warehouse kamen wir am Ziel gegen 17:30 Uhr an. Nach dem Abendessen spielten wir Karten und schauten dann „2 Guns“.

Am nächsten Morgen nutzten wir die Gelegenheit der kostenfreien, wenn auch kalten Dusche, bevor wir uns nachdem Frühstück nach Motueka aufmachten, um von dort aus Richtung Murchison zu fahren.
Murchison, 125 km südwestlich von Nelson und 95 km östlich von Westport gelegen, ist das nördliche Einfallstor zur Westküste. Von dort windet sich der Highway durch die Buller Gorge. Etwa 14 km westlich von Murchison schwingt sich Neuseelands längste Hängebrücke (110 m), die Buller Gorge Swingbridge, über den Buller River. Für 10 $/Person dürften wir die Brücke überqueren und einen 15-minütigen Rundweg absolvieren. Eine deutsche Familie war mit unserem Schaukeln der Brücke nicht so begeistert und hat uns permanent irritiert angeschaut – sehr unterhaltsam.
Gentle Annie Beach
Im Hafenort Westport, welcher seinen Aufschwung dem Kohlebergbau verdankt, füllten wir unseren Tank auf und fuhren dann Richtung Norden, wo wir im Gentle Annie Mokihinui Holiday Park für 24 $/Nacht unseren Schlafplatz fanden.
Nach dem Abendessen, gingen wir zum Sonnenuntergang an den Strand, spielten dann später Karten und da der Akku meines Laptops am Vorabend starb, schauten wir „2 Guns“ zu Ende.

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