Keiner kommt von einer Reise so zurück,
wie er weggefahren ist.

[Graham Greene (1904-1991]

Dienstag, 28. April 2015

die Ostküste & Taupo

Maraehako Bay
Zum Wachwerden am 13. März 2015 sind wir, wie schon so oft, erst einmal in der Bucht schwimmen gewesen. Danach fuhren wir weiter Richtung Osten bis nach Te Araroa, um unseren Tank aufzufüllen.
Te Araroa ist eine Gemeinde in der Region Gisborne im extremen Nordosten. Dort beginnt die größtenteils unbefestigte Straße zum etwa 20 km weiter östlich befindlichen East Cape, dem östlichsten Punkt der Nordinsel.
Dieser Punkt wird damit als der Ort bezeichnet, an dem die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf Neuseeland treffen, noch euphorischer ist die von Einheimischen genutzte Bezeichnung, das hier der neue Tag erstmals auf festen Boden trifft. Dies vernachlässigt allerdings, dass es einige Inseln gibt, die noch näher an der Datumsgrenze liegen.
Bevor wir uns zu Fuß den 25-minütigen sehr anstrengenden Pfad zum Leuchtturm hinauf wagten, frühstückten wir neben Schafen und Pferden.
Der Leuchtturm wurde 1900 auf East Island erbaut, wegen zahlreicher Erdbeben und Felsabbrüche wurde er jedoch 1922 auf die Spitze von East Cape versetzt. Der Leuchtturm ist ein 14 m hoher Turm aus aufeinander geschweißten Stahlblechringen, das Leuchtfeuer befindet sich 154 m über dem Meeresspiegel. Das Licht blinkt in einem Zehn-Sekunden-Intervall und kann über 19 nautische Meilen (rund 35 Kilometer) gesehen werden. Bis 1985 versah im Leuchtturm noch ein Leuchtturmwärter Dienst. Heute wird der Turm vollständig automatisch betrieben.
Es erbot sich uns eine gute Aussicht auf den Pazifik und die umliegende Landschaft.
Zurück auf der Straße machten wir als nächstes Halt in Tolaga Bay, dem größten Ort am East Cape. Wahrzeichen von Tolaga ist der bemerkenswerte historische Kai, welchen wir entlang spazierten, der mit 660 m der längste der südlichen Hemisphäre ist.
Im dortigen Uawa Foodmarket konnten wir uns die Genehmigung für das Übernachten in der Blue Waters Area in der Nähe vom Strand kaufen, allerdings muss man ein Minimum von 2 Nächten für insgesamt $ 16 zahlen. Nebenbei berichtete uns die Kassieren, dass sie am Wochenende eine starken Zyklon erwarteten und wir uns dann am Besten nicht an der Küste aufhalten sollten.
Am Campingplatz angekommen, spielten wir Karten und aßen Abendessen bevor unser Tag um 21 Uhr endete.

East Cape
Am Samstag sind wir bereits um 7:30 Uhr aufgestanden und direkt in den Wellen baden gewesen. Danach ging es nach Gisborne.
Gisborne ist eine hübsche Kleinstadt im Nordosten der Nordinsel. Sie liegt an der Mündung des Turanganui River in die Poverty Bay (Pazifischer Ozean), hat ungefähr 32.700 Einwohner und wird von Surfstränden und einem Meer an Chardonnay-Reben umrahmt.
Nachdem wir in der HB Williams Memorial Library das kostenfreie W-Lan genutzt hatten, aßen wir in einem Park Frühstück und besuchten dann Bushmere Estate, die allerdings 5 $/Person für eine Weinverkostung verlangten, weshalb wir direkt weiter zu Matawhero Wines sind. Dort haben wir gratis 4 Weine verkosten können und entschieden uns den 2014er Gisborne Pinot Rose und den 2012er Church House BF Chardonnay mitzunehmen.

Tolaga Bay
Danach fuhren wir zum für uns geschmacklich besten Weingut: Millton, wo wir etliche Weine kosteten und uns entschieden den 2013er Millton Riverpoint Gewürztraminer mitzunehmen. Chris trauert noch heute, dass er den 2013er Millton Opou Riesling nicht mitgenommen hat. Da auch das Kirkpatrick Estate eine Gebühr für die Verkostung verlangt, beendete wir unsere Weintour an diesem Tag und fuhren zur Oaraka Reserve, wo wir kostenfrei übernachten konnten. Nach einem Spaziergang und einer Runde Rommé gab es Abendessen.

Oraka
Am nächsten Morgen waren wir um 7 Uhr wach und machten uns auf in Richtung Napier, vorbei an Waiora, wobei der Highwayabschnitt zwischen diesen beiden Orten in weiten Teilen durch wenig fotogenes Farmland führte. Bäume verwehrten auf dem größten Teil der 117 km langen Strecke die Aussicht. Zwischendurch fuhren wir unter dem Mohaka Viaduct, dem höchsten Bahnviadukt Australasiens (97 m) hindurch. Am Lake Tutira, welcher schon von den frühen Maori besiedelt war und ein Vogelschutzgebiet ist, nahmen wir gegen 10:30 Uhr unser Frühstück ein.
27 km nördlich von Napier im Tangoio Falls Scenic Reserve liefen wir zu den lohnenswerten Te Ana Falls.

Oraka
Der Highway führte die letzten 25 km an der Küste entlang und eröffnete sehr beeindruckende Aussichten in Richtung Napier. Das Weinland Hawke's Bay beginnt an der Mündung des Esk River. Hawke Bay heißt der Küstenabschnitt, der sich von der Mahia-Halbinsel zum Cape Kidnappers ersreckt – die Bucht sieht aus, als sei sie aus der Ostseite der Nordinsel herausgebissen worden.
Mit seiner entspannten rustikalen Atmosphäre war das Weingut Crab Farm Winery eine gute Adresse für die erste Weinverkostung an diesem Tag. Zum Preis von 3 = 2 nahmen wir die 2009er Botrytis Selection mit.
Danach erreichten wir Napier, welches eine Küstenstadt an der Hawke Bay ist. Die mit über 56.000 Einwohnern 14.-größte Stadt Neuseelands ist die Hauptstadt der Region Hawke’s Bay. Zusammen mit dem etwa 10 km südlicheren Hastings bildet sie den fünftgrößten Ballungsraum Neuseelands.
Mit unserem Auto fuhren wir den Gipfel (102 m) zum Bluff Hill Lookout hinauf – allerdings erbot sich keine spektakuläre Aussicht, da der Hafen das Bild dominiert.

Mahia-Halbinsel
Und da wir schon mit Wein begonnen hatten, fuhren wir zu weiteren Weingütern. Der Weg führte zu Neuseelands ältestem Weingut: Mission Estate, mit wunderschönen Grünanlagen. Allerdings überzeugte uns keiner der 5 verkosteten Weine. Weiter ging es zu Church Road, welches geführte Touren über das Weingut anbot, allerdings waren wir zu einer unpassenden Zeit dafür da. Allerdings war die Dame, welche mit uns die Verkostung machte, sehr gesprächig und informativ, so dass wir 6 Weißweine verkosteten.
Es werden hier in Neuseeland hauptsächlich Weißweine hergestellt, und nur wenige Rote, was für mich fantastisch ist, da mir diese eh nicht zu sagen – selten kostete Chris mal einen Roten, war aber auch so gut wie nie überzeugt.

bei den Te Ana Falls
Nach dem wir im Black Barn Vineyards, welches über ein eigenes Amphitheater verfügt, 3 Weine gekostet hatten, fuhren wir zur Clearview Estate Winery, mit einer riesigen Auswahl an Weinen. Hier wurde uns keine Reihenfolge der Weine zum Verkosten vorgegeben, sondern wir hatten selbst zu wählen, woraufhin wir uns durch 9 Weine kosteten. Geschmacklich am interessantesten, doch leider zu teuer, war der Sea Red. Zu dem standen auf dem Parkplatz Avocadobäume, woraufhin, obwohl ausdrücklich verboten, Chris welche pflückte – aber sie waren somit gratis. Als letzte Adresse an diesem Tag hielten wir bei Beach House Wines, die eigentlich 5 $/Person für die Verkostung verlangen, da wir allerdings mit 16:30 Uhr schon sehr spät dran waren, ließ die Dame uns die noch vorhanden geöffneten 4 Weine kostenfrei verkosten.

auf dem Bluff Hill Lookout
Danach füllten wir unseren Tank und fuhren zur Mt. Valley Lodge, da wir aufgrund des vorhergesagten Zyklons vorsichtshalber nicht an der Küste übernachten wollten. Für 24 $/Nacht hatten wir den Campingplatz für uns alleine, allerdings regnete es ununterbrochen, weshalb uns nach dem Abendessen und einer warmen Dusche nur Lesen und Karten spielen im Auto übrig blieb.
Am nächsten Morgen regnete es immer noch, so dass sich auf dem Rasen, auf welchem wir parkten schon Pfützen gebildet hatten. Nach dem Frühstück fuhren wir nach Taupo.
Taupo ist eine 22.300 Einwohner zählende Stadt im Zentrum der neuseeländischen Nordinsel und liegt malerisch am nordöstlichen Seeufer des Lake Taupo und macht mittlerweile Rotorua als Hauptstadt des Nervenkitzels auf der Nordinsel Konkurrenz. Der immer beliebter werdende Ort bietet eine Vielzahl an adrenalingeladener Aktivitäten an.

Huka Falls
Nach einem Abstecher zu The Warehouse und Pak'nSave checkten wir gegen 14 Uhr für 46 $/Nacht im All Seasons Kiwi Holiday Park, aufgrund des nicht enden wollenden Regens, ein. Zum Aufwärmen ging es erst einmal in den dort vorhanden beheizten Pool. Danach spielten wir Karten bevor es Abendessen gab.

Nach einem warmen Bad im Pool am 17. März 2015 und einer wohltuenden Dusche fuhren wir gegen 10:15 Uhr zu den Huka Falls.
Diese markieren den Punkt, an dem Neuseelands längster Fluss, der Waikato, durch eine enge Schlucht 10 m in die Tiefe stürzt. Beim Überqueren der Brücke ließ sich die volle Wucht des reißenden Stroms am eindrucksvollsten betrachten.

Huka Falls
Gegen 13 Uhr kamen wir bei den Aratiatia Rapids an. Durch einen Damm wird der natürliche Wasserfluss des Waikato River gedrosselt. Von Oktober bis März werden die Schleusentore bis zu 4x täglich geöffnet. Um den besten Blick auf das durch die Schleusen stürzende Wasser zu haben, fanden wir uns rechtzeitig für die Öffnung um 14 Uhr am oberen Aussichtspunkt ein und gingen während des Spektakels zum unteren Aussichtspunkt. Danach verkosteten wir im Honey Hive, welches über einen gläsernen Schau-Bienenstock verfügt und zudem Bienenprodukte, ob nun essbare, medizinische oder kosmetische, verkauft, Honig und Met.

Aratiatia Rapids
Auf der Urchin Campsite, welche kostenfrei war, fanden wir unseren Übernachtungsplatz. Allerdings war es schon bei der Ankunft ungewöhnlich kalt, weshalb Chris sich aufmachte Feuerholz zu holen, während ich mein Buch las. Nach einer Runde Karten und dem Abendessen, freute Chris sich wie ein kleines Kind endlich das Feuer anzuzünden. Da auch dieses irgendwann erlosch und es sehr früh dunkel wurde, hieß es früh ins Bettchen zu gehen.
Nach einer durchfrorenen Nacht, trotz 3 Decken, sowie Leggins, Pullover und 2 Paar Socken, fuhren wir gegen 11 Uhr in den Tongariro-Nationalpark.
Aratiatia Rapids
Dieser ist der älteste Nationalpark Neuseelands. Der sich im Zentrum der Nordinsel erstreckende Park gehört als eine von nur 23 Stätten sowohl zum Weltkultur- als auch zum Weltnaturerbe der UNESCO. Der Tongariro-Nationalpark ist der viertälteste Nationalpark weltweit. Im Zentrum des Parks befinden sich 3 aktive Vulkanberge: der Tongariro (1968 m), der Ngauruhoe (2291 m) und der Ruapehu (2797 m). Auf dem Gebiet des Nationalparks befinden sich mehrere Kultstätten der Māori, die die Vulkane als heilig verehren.
Wir entschieden uns den Pfad zu den Waitonga Falls (hin & zurück 1 ½ Stunden, 4 km), Tongariros höchstem Wasserfall (39 m), zu nehmen.
Tongariro-Nationalpark
Vom Parkplatz etwas weiter die Straße entlang versuchten wir eine Filmkulisse aus „Der Herr der Ringe“ zu finden – vergeblich.
Nachdem wir uns in Taumarunui seit Langem Fast Food im McDonalds gegönnt hatten, obwohl Chris eigentlich nur einen Kaffee haben wollte – die Versuchung war eben zu groß, fuhren wir die 150 km lange Fernstraße zwischen Taumarunui und Stratford, auch bekannt als Forgotten Wolrd Highway bekannt, entlang.
Die Strecke, von der 11 km noch nicht asphaltiert sind, windet sich durch hügeliges Buschland – vorbei an Wehrdörfern der Maori, verlassenen Kohlebergwerken und Gedenktafeln für längst Verstorbene. Ein Highlight war Whangamomona (170 Einwohner): Der schrullige Ort hat sich 1988 nach Meinungsverschiedenheiten mit der lokalen Verwaltung zur unabhängigen Republik ausgerufen. Im Whanagamomona Hotel erhielten wir für 2 $/Person einen Stempel in unserem Reisepass.
Waitonga Falls
Gegen 18 Uhr kamen wir in der Te Wera Valley Lodge an, für 20 $/Nacht hatten wir den Campingplatz mal wieder ganz für uns alleine und damit auch die große Küche und den Aufenthaltsraum, welche eigentlich für Schulklassen gedacht sind. Da das Waschen hier im Übernachtungspreis enthalten ist, schmiss ich gleich eine Maschine an.
Im Aufenthaltsraum spielten wir Karten und gegen 21:30 Uhr gab es ein spätes Abendessen, bevor wir im Auto noch ein wenig lasen.

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